Ab heute ohne Windel - Wie Kinder sauber werden

Die Entwicklungs-Schritte zum Sauberkeitserfolg im Kleinkindalter

07.09.2009 Michaela Maerten

Bei Kleinkindern erfolgt im Laufe des dritten Lebensjahres die Sauberkeitsentwicklung anhand so genannter Erfolgsschritte. Viel Lob und Geduld dürfen da nicht fehlen!

Für die meisten Eltern ist das Sauberwerden ihrer Kinder ein völlig normaler und selbstverständlicher Entwicklungsschritt. Die Blasen- und Darmkontrolle werden sich – ebenso wie andere wichtige Fähigkeiten - im Laufe der ersten drei Lebensjahre einstellen. Trotzdem machen sich viele Eltern bereits relativ früh, meist um den ersten Geburtstag ihres Sprösslings herum, die ersten ernsthaften Gedanken, wie dieser Schritt überhaupt von Statten gehen mag und vor allem was sie dazu tun müssen, um ihrem Kind zum gewünschten Erfolg zu verhelfen.

Ein Kind ist sauber – was heißt das?

Zum Saubersein gehören zwei getrennte Fähigkeiten, die ein Kind im Laufe seiner Entwicklung zu beherrschen lernt: Die Darmkontrolle für die selbstständige Verrichtung des „großen Geschäftes“ einerseits und die Blasenkontrolle andererseits. Meist wird die Kontrolle des Darmes von den Kleinen als einfacher empfunden und früher erreicht als die Kontrolle der Blase. Eine Darmentleerung passiert im Vergleich zur Harnabgabe weniger häufig und kündigt sich mit deutlichen Symptomen an. Die Zeichen einer vollen Blase hingegen rechtzeitig wahrzunehmen, bedürfen ein wenig mehr Geduld und Übung.

Das Saubersein hängt von der kindlichen Entwicklung ab

Im Allgemeinen verläuft die Sauberkeitsentwicklung eines Kleinkindes entlang so genannter Erfolgs-Schritte. Diese hängen sehr stark vom kindlichen Entwicklungstempo ab. Zunächst einmal müssen alle an Ausscheidungsfunktionen beteiligten anatomischen Strukturen intakt sein. Zudem müssen die Nervenbahnen zwischen Gehirn und Blase vollständig ausgereift und ausdifferenziert sein. Ohne diese Voraussetzungen hat ein Kind gar keine Chance, die Zeichen von Harndrang oder einer Darmentleerung wahrzunehmen. Meist ist dieser Punkt der kindlichen Entwicklung gegen Ende des zweiten Lebensjahres abgeschlossen. Das Erlangen der Kontrolle des Darmes erfolgt im Allgemeinen anhand von 5 Erfolgs-Schritten, die Blasenkontrolle benötigt in der Regel zwei Schritte mehr, also 7. Für die „Abarbeitung“ dieser einzelnen Schritte gibt es jedoch keine allgemeinen Richtlinien, sie werden ganz individuell erreicht und können von Kind zu Kind unterschiedlich verlaufen.

Die ersten drei Schritte der Sauberkeitsentwicklung von Kleinkindern

Der erste Erfolgsschritt auf dem Wege zum Sauberwerden ist dadurch gekennzeichnet, dass das Kleine auf die Signale in seinem Unterbauch aufmerksam wird. Dabei bedarf es etwas mehr Geduld, eine volle Blase wahrzunehmen, als die Darmbewegungen vor der entsprechenden Stuhlabgabe. Wer sein Kind genau beobachtet, kann – wenn es soweit ist – deutliche Zeichen erkennen. So fangen manche Kinder, die Harndrang verspüren, plötzlich an, zu trippeln oder die Beine zusammen zu kneifen. Es gibt auch Kinder, die für ihr großes Geschäft in eine stille Ecke oder unter den Tisch verschwinden. Im zweiten Schritt wird sich das Kind bewusst, dass es in die Windel macht. Die Reaktion darauf kann sehr unterschiedlich ausfallen; manche Kinder spielen einfach weiter, manche melden freudestrahlend das Ereignis und wieder andere möchten sofort gewickelt werden. Die Meldung im Nachhinein ist bereits der dritte Erfolgs-Schritt auf dem Wege in die Sauberkeit und ist auf jeden Fall ein kräftiges Lob aus dem Munde der Eltern wert.

Die Erfolgs-Schritte 4 und 5 der Sauberkeitsentwicklung von Kleinkindern

Ist die Wahrnehmung der Vorkommnisse im Unterbauch eines Kindes so weit entwickelt, dass es sich rechtzeitig vor der Stuhl- oder Blasenentleerung mitteilen kann, ist der vierte Schritt zum Erfolg getan. So bleibt nach der Anmeldung genügend Zeit, um rechtzeitig auf dem Töpfchen oder der Toilette zu sitzen. Im Falle der Darmentleerung ergibt sich an dieser Stelle meist noch ein kleines Problem. Die Kinder können ihren Stuhlgang zwar perfekt melden, weigern sich jedoch, die Toilette oder das Töpfchen zu benutzen. Sie möchten viel lieber eine Windel umgebunden bekommen und das Geschäft darin verrichten. Ist diese Hürde genommen und das haben 90 Prozent aller Dreijährigen, dann ist auch der letzte Erfolgs-Schritt zur Darm-Kontrolle geschafft.

Den fünften Schritt auf dem Wege zur völligen Blasenkontrolle hat ein Kind erreicht, wenn es willentlich Harn lassen kann, sowohl bei voller als auch bei schwach gefüllter Blase. Ein wichtiger Fortschritt, denn jetzt kann es vor dem Ausflug zum Spielplatz oder dem Gang zum Einkaufen noch einmal die Toilette aufsuchen.

Die Erfolgsschritte 6 und 7 bei der Blasenkontrolle von Kleinkindern

Nachdem der fünfte Erfolgs-Schritt erreicht ist, sind die betreffenden Kinder so gut wie sauber. So laufen sie tagsüber bereits komplett ohne Windel herum und bleiben auch meist trocken. Nun muss noch geübt werden, auf Notfälle zu reagieren, ohne dass etwas in die Hose geht. Lässt sich der Harn kurzfristig, beispielsweise während der Autofahrt oder in einem Kaufhaus für ein paar Minuten hinauszögern, bis ein Rastplatz angefahren wurde oder ein entsprechendes WC aufgesucht werden kann, ist auch der sechste Erfolgsschritt getan. Bleibt ein Kind zusätzlich nachts ohne Toilettengang trocken oder erwacht bei voller Blase, um zur Toilette zu gehen, ist auch der siebte Schritt zum Erfolg bewältigt.

Rückschritte bei der Sauberkeitsentwicklung von Kindern sind normal

Haben Kinder erst einmal alle 7 Erfolgs-Schritte getan und sind trocken, sind sie mächtig stolz darauf und haben zudem riesiges Lob verdient. Trotzdem bleiben auch Rückschritte nicht aus. Besonders im Falle hoher psychischer Belastung – einem Streit der Eltern, der Eintritt in den Kindergarten, ein Umzug oder ähnliches – kann es durchaus vorkommen, dass morgens das Bett wieder nass ist oder dass sich ein Kind wieder in die Hose macht. Solche Ausrutscher sind als normal zu bewerten; das betroffene Kind sollte auf keinen Fall bestraft werden, sondern besonders viel Geduld und Liebe erfahren. Meist erholt es sich dann rasch, so dass Hose und Bett wieder trocken bleiben.

Quellenangabe:

Priv. Doz. Dr. rer. Nat. Gabriele Haug-Schnabel: Wie Kinder sauber werden können. Oberstebrink-Verlag GmbH, Ratingen, 2003, Ratgeber-Buch.

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